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Grit Meyer

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Vertrauen statt Dominanz: Wege zu einer neuen Pferdeethik

Warum eignen sich gerade Pferde für diese Methode?

Pferde sind auch nur Menschen...

Pferde verfügen über arttypische, ganz natürliche Eigenschaften, die sie dafür prädestinieren, die Entwicklung der sozialen und emotionalen Fähigkeiten, der Handlungs- und Führungskompetenzen des Menschen zu unterstützen.

Pferde sind Herdentiere, die, wie der Mensch, in einem engen Sozialverband leben. Ebenso wie der Mensch beansprucht jedoch auch das Pferd innerhalb der Herde seinen Individualraum, den es klar gegenüber den anderen Herdenmitgliedern abgrenzt.

Pferde sind darüber hinaus Fluchttiere, die einer Bedrohung aus dem Weg gehen und nur dann mit Aggression reagieren, wenn eine Flucht nicht mehr möglich ist. Dieses Verhalten macht sie zu kooperativen, geduldigen Trainingspartnern.
Die Parallele zum menschlichen Verhalten wird in den Seminaren deutlich: Der Mensch reagiert auf eine Bedrohung (Druck) mit Rückzug, Resignation (Flucht) oder aber mit offenem Protest, Auflehnung, Rebellion (Aggression).


Pferde haben hochsensible Sinne und deuten damit feinste Stimmungen und Körperhaltungen des Menschen faszinierend klar und treffsicher.

Die Voraussetzung dafür, dass die Flucht das Überleben des Pferdes sichert ist, dass eine Bedrohung rechtzeitig erkannt wird. Dazu verfügt das Pferd über hochsensible Sinnesorgane, die Geräusche, Gerüche und Bewegungen, und verbunden damit auch Angst und Unruhe sehr früh registrieren. Auch diese Eigenschaft machen wir uns in den Seminaren zu Nutze.

Das Pferd nimmt über seine Sinnesorgane ganz natürlich die geringsten Bewegungen und damit die Körpersprache des Menschen, dessen Unsicherheit, Unruhe, Zweifel und Angst aber auch dessen Zuversicht, Zielstrebigkeit und Entschlossenheit wahr und reagiert entsprechend darauf.
Das Pferd zeigt seinem Gegenüber unmittelbar, was es wahrgenommen hat ohne die Information zu bewerten.

Die Leittiere dienen ihrer Herde und führen damit im besten Sinne.

Die Führung einer Pferdeherde bedeutet für die beiden Leittiere, dass sie die Verantwortung für das Überleben aller anderen Herdenmitglieder tragen. Die Leitstute ist dabei für die Zielerreichung (Futter, Wasserstelle, sicherer Zufluchtsort) verantwortlich; der Leithengst sorgt dafür, dass auch die Schwächeren nicht zurück bleiben und kein Tier aus dem Verband verloren geht. Die Position der Leittiere bedeutet neben der Verantwortung auch ein erhöhtes Risiko für das eigene Überleben. Sowohl die Spitze, als auch die Absicherung nach Rückwärts bedeuten eine exponierte und damit gefährliche Position innerhalb des Schutzverbandes der Herde. Die Leittiere dienen ihrer Herde.


Souveränität wird angestrebt und akzeptiert, denn alles andere kostet Energie!


Die Leittiere besetzen ihre Positionen nicht, weil sie sie erkämpft haben, sondern weil sie sich bewährt und das Vertrauen der Herdenmitglieder durch entsprechendes Verhalten und entsprechende Fähigkeiten, wie z.B. Zielorientiertheit, Entscheidungsfähigkeit, Ruhe und gleichzeitig Wachsamkeit, Mut und Entschlossenheit gewonnen und erhalten haben. Diese passive Führung ist auch im menschlichen Miteinander bekannt: nicht selten führt eine Person ein Team, obwohl sie laut Organigramm gar nicht dafür vorgesehen ist. Die Teammitglieder haben sich in solchen Konstellationen freiwillig dieser Person angeschlossen. Sie haben Vertrauen in diese Führung, sie stellen Entscheidungen nicht in Frage, sie folgen gerne.


Feinste Führungs-Signale über große Distanzen wahrnehmen: führen und folgen in Vollendung!

Die Leittiere einer Pferdeherde müssen sich in ihren Positionen den anderen Herdenmitgliedern verständlich machen. Pferde kommunizieren fast ausschließlich nonverbal. Die Stimme wird nur in den seltensten Fällen eingesetzt. Das Führen geschieht also lautlos, die Körpersprache ist dabei subtil und gleichzeitig sehr nuanciert. Die Signale sind für den Menschen oft kaum wahrnehmbar.

Da das Überleben eines jeden Herdenmitglieds davon abhängen kann, ob es die Signale der Leittiere registriert, versteht und in eine Reaktion umsetzt, ist jedes Individuum bemüht, seine Aufmerksamkeit stets auf die Leittiere zu richten. Das feinste Signal wird von allen Herdenmitgliedern wahrgenommen und führt zu einer entsprechenden Reaktion. Dieses Verhalten ist nicht nur bei einer Aufforderung zur Flucht zu beobachten, sondern auch im ruhigen Miteinander einer Herde. Ein kaum merkliches Signal wird stets unmittelbar in einer Reaktion entsprechend der Rangordnung umgesetzt. Wenn Signale eingesetzt werden, dann sind sie klar und unmissverständlich.

Auch Menschen sind leistungsfähiger und leistungsbereiter, wenn die Anweisungen zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden, wenn sie klar und eindeutig sind und wenn keine unnötige Unruhe durch die Führungskraft verbreitet wird, die lediglich wertvolle Energie bindet.

Vertrauen, Klarheit und Konsequenz und Zuverlässigkeit sind die Fundamente erfolgreicher und gesunder Zusammenarbeit.

In den Seminaren lässt sich die „richtige“ Reaktion eines Pferdes nur dann abrufen, wenn das Pferd uneingeschränktes Vertrauen zu dem Sender der Information hat und wenn die Information zielgerichtet, klar und eindeutig gesendet wird.

Der Mensch, der seine Führungskompetenzen entwickeln möchte, erkennt seine wahren Führungsqualitäten an der Reaktion eines Pferdes unmittelbar in dem Augenblick seiner Aktion (Handlung, Haltung).
Das Pferd ist authentisch und seine Reaktionen sind echt und einfach.
Das Feedback eines Pferdes ist dabei oft leichter annehmbar als die Kritik eines Mitmenschen.

Die Anwesenheit der Pferde erleichtert das reden.

Die Echtheit und Einfachheit des Pferdes lassen außerdem Emotionen zu, die der Mensch in seiner gewohnten Umgebung oft nicht ausleben kann oder möchte. Das Tier schenkt Vertrauen und bietet Sicherheit.


Von und mit Pferden lernen:

Mit den Pferden werden auf drei Ebenen außergewöhnliche Erlebnisse möglich, die durch Reflexion zur Erfahrung und durch Übung zur Gewohnheit werden:

  • das Pferd dient als Spiegel für die Selbstwahrnehmung und ermöglicht damit dem Lernenden Verhaltensänderungen.
  • das Pferd übernimmt die Rolle des Stellvertreters, z.B. für Mitarbeiter, KollegInnen, den Chef oder die Chefin, den Kunden, die Kinder und alle, mit denen wir sonst noch in einer Beziehung stehen.
  • das Pferd bietet Handlungsalternativen an, die es Wert sind, im menschlichen Miteinander angewendet zu werden.